Das Haus – die Menschen
Die ehemalige Fuldaer Rabbiner-Villa gehört zu den wenigen historischen Gebäuden, die sich als steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Fulda erhalten haben. Das im Stil des Historismus für den Fuldaer Provinzial-Rabbiner Dr. Michael Cahn (1849–1920) in den Jahren 1902/03 errichtete Haus in der Von-Schildeck-Straße, das unter Denkmalschutz steht, diente Dr. Michael Cahn und seinem Sohn Dr. Leo Cahn (1889–1958), der seinem Vater im Amt des Provinzial-Rabbiners nachfolgte, mit ihren Familienmitgliedern als Wohnhaus. Nach der Reichspogromnacht 1938 musste die Familie aus Deutschland fliehen und gelangte über England schließlich nach Palästina.
Neben den Rabbiner-Familien lebten im Haus über Jahrzehnte jüdische und christliche Mietparteien zusammen; zudem gab es eine Pension für Schüler, die vom Rabbiner unterrichtet wurden, und Zimmer für das Hauspersonal. In den erhaltenen Meldeunterlagen der Stadt Fulda finden sich viele bekannte „Fuldaer“ Namen wie zum Beispiel Nussbaum, Bacharach, Feldheim oder Gottlieb.


„Die Fuldaer Rabbiner-Villa war ein zentraler Ort des orthodoxen Judentums in Deutschland. […] Die Austreibung der jüdischen Deutschen nach 1933 und das Menschheitsverbrechen des Holocaust zerstörten nicht nur ein jahrhundertelanges und oftmals friedliches Miteinander von Christen und Juden, sondern sie vernichteten auch die geistig-kulturellen Früchte der deutsch-jüdischen „Symbiose“. Die Folgen dieses Aderlasses, der einer aggressiven Selbstverstümmelung der eigenen Geschichte glich, sind bis heute spürbar.
Umso wichtiger ist die Erinnerung – Erinnerung eben nicht nur an die nationalsozialistische Judenverfolgung und den Holocaust, sondern auch und ganz besonders an das jüdische Leben in Deutschland vor 1933. “
Prof. Dr. Andreas Wirsching
Direktor Institut für Zeitgeschichte (IfZ) a.D.
„Sie haben […] einen Ort der Erinnerung geschaffen und den Fuldaern geöffnet, der nicht nur die Vergangenheit beleuchtet, sondern auch zu Begegnungen und Gesprächen einlädt. Ich bewundere den Bürgersinn, der sich in diesem großen Vorhaben ausdrückt.“
Steffen Seibert
Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Israel
„Zugleich will ich Ihnen meine große Anerkennung für Ihr wertvolles Wirken für die Vermittlung von Wissen über jüdisches Leben, die reiche Tradition in Deutschland und vor allem die Menschen, die in der Zeit des Nazi-Regimes vertrieben und ausgelöscht, zu Ausdruck bringen.“
Charlotte Knobloch
Präsidentin Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern
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